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Freiwillige Feuerwehr Augustendorf
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Ortsbrandmeister:
Frank Katt
Augustendorf 20a
27442 Gnarrenburg
Telefon: 04763/1674
Mail:
Die Freiw. Feuerwehr Augustendorf wurde im Jahre 1936 gegründet. Die Ausrüstung bestand aus einer Feuerlöschpumpe, die in einer Scheune untergebracht war. 1947 wurde ein Feuerwehrhaus (Spritzenhaus) gebaut. Ein „Ableger“ der Feuerwehr ist der im Jahre 1955 gegründete Spielmannszug. Um auch bei längerer Trockenheit, wenn der Kanal kein Wasser führte, genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben wurden 1958 drei Löschwasserbrunnen gebaut. 8 Unterflurhydranten folgten 1963 beim Bau der zentralen Wasserversorgung. Die Alarmierung erfolgt seit 1960 durch drei im Dorf installiert Sirenen.
Das erste Feuerwehrfahrzeug, ein VW-Bus mit Ausrüstung, wurde 1966 angeschafft. Nach dessen Ausmusterung folgte ein TSF-Fahrzeug 1986, in diesem Jahr wurde auch das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Das Feuerwehrgerätehaus wurde 1980 (Anbau einer Fahrzeugbox, Schulungs- und Aufenthaltsraum) und 1990 (Einbau von Küche und Sanitärräumen) erweitert. Im Jahre 2002 wurde dem Gerätehaus im Zuge der Dorferneuerung ein neues „Outfit“ verpasst. Eine Erweiterung um zusätzliche Räume wurde 2015 erforderlich, die Bauphase ist noch nicht beendet
In der 83-jährigen Geschichte der Wehr gab es 5 Ortsbrandmeister: Johann Haltermann 1936 – 1963, Hinrich Schütt 1964 – 1975, Wilfried Riggers 1976 – 2001, Uwe Becker 2002 - 2013. Ab 2014 führt Frank Katt die "Blauröcke" an.
Die spektakulärsten Einsätze waren 1972 der Mietenbrand bei den Torfwerken Meiners, der dreitägige Hochwassereinsatz 1979 nach der Schneeschmelze und 2001 der erneute Hochwassereinsatz nach starkem Regen mit sechs Nachbarwehren und dem THW. Wir sind „allzeit bereit“ und wünschen uns doch „Keine Einsätze“.
Frank Katt (Ortsbrandmeister)
Tipp-Kick un Strietschoh lopen
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(plattdeutsche Erzählung von Fritz Metscher)
Noch twee Klappen an’n Adventskalender open mooken, un denn is endlich Wiehnachten. Wi Kinner weern als ganz opgeregt, von wegen de Geschenke Heilig Obend. Ik har een „Tipp-Kick“ Dischfootballspeel op mien Wunschzettel schreeben. Na ja, so richtig spannend weer dat jo nich mehr, denn ik har „schnüffelt“ un dat Geschenk twüschen Mudder eer Bettloken in’n Kleederschapp funn. Mit uns Kinner weer ober rein gornix mehr optostellen un Mudder segg to mi: „Du mooks mi ganz dösig mit dien Hibbelichkeit, go man vonnomiddag no buten, op’n Konol is dat Ic wohl dick genuch. Ober dat du mi von den Huvenhoopssee wegblivst! De holt noch nich. Du weest jo, Vadders Cousin hett sick dor in affsopen.“ Ik hung also mien Strietschoh övern Hockeysläger un güng rünner no den Konol, wo Hermann un Heino all op mi luurn deen.
„Kummst du mit no’n Huvenhoop?“ wull Hermannn von mi weeten. „Nee,“ anter ik, „mien Mama het mi dat verboden.“ Dor hebt de Beiden mi wat utlacht un löpen op eer Strietschoh den Konol hoch Richtung See. Von wieden hör ik Heino noch irgendwat von „Bangbüx“ un „Feigling“ ropen un wech wörn se. Dor hev ik mi bannig över argert. Dat schulln se mi büßen. Ik klopp een grodet Lock in’t Ic un rook mit mien Hockeysläger Schnee doröver. Wenn mien Frünn woller kömen, schulln se dor in den Konol insacken un sick nadde Fööt holen. Ik de mi denn so lang achtern Boom versteeken un wull mi kaputtlachen. Ober mien feine Ploon güng nich op. Ik weet nich, op Hermann un Heino sick dat anners överleggt harn. Se köm’n jedenfalls nich woller trüch, dat wör all schummerig worn un koold, wie man an mien rote Nees erkennen kunn. Ik lööp noch een beden op’n Konol hin un her, dach ober nich mehr an dat Lock in’n Ic un ............................, steek bit to’n Buknobel in’n Modder. Von „Wer andern eine Grube gräbt ..............“, har ik noch nie wat hört. Nu weer ik denn uk restlost bedeent, bin rutklattert ut’n Konol. Överall Schiet un Dreck. Op den Weg no Hus weern de Büxenbeen stieffrorn.
Mien Mudder hett mi mächtig beduurt: „Hoffentlich krichst du nu keen Snööf,“ meen se.Wat ik wirklich för har, de Wohrheit, hev ik eer nich veroort. Ik glööv, denn har ik mien Tipp-Kick Dischfootballspeel wohl affschrieben kunnt. At wi Heilig Oben wi jümmer all de Wiehnachtsleeder dörsungen harn, geev dat de Geschenke. Ik hev mi düchtig freut över mien Tipp-Kick Speel un so mookt, as wenn nix weer.
Geschichten zum Schmunzeln
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(von Hermann Schröder, 89 Jahre, aufgeschrieben von Friedrich Metscher)
Die besondere Beziehung der Augustendorfer zu ihrem Kanal hat verschiedene Gründe. Endlich konnte auf dem 1852 erbauten Schifffahrtsweg der Brenntorf per Torfkahn (Bullen) transportiert werden, überwiegend zum Bremervörder Hafen, aber auch in die andere Richtung nach Bremen. Auch konnte das Hochmoor nun entwässert werden. Dies wiederum erlaubte den Mooranbauern eine bessere Landbewirtschaftung und minderte die Abhängigkeit vom Torfverkauf. Mit dem Hochwasser bei Regenereignissen lebten unsere Vorfahren übrigens schon immer. 1931 fielen in einer Nacht 160 Liter/m² Regen, Menschen und Vieh mussten evakuiert werden. Unten im Dorf fuhr man auf dem Wasser im Backtrog von Nachbar zu Nachbar. Doch auch lustige Geschichten lieferte der Kanal reichlich.
Es heißt, dass jeder (un-)vernünftige Augustendorfer mindestens einmal im Leben im braunen Moorwasser gebadet haben muss.
Klütenmarkt
Die Jugend war früher natürlich längst nicht so mobil wie heute. Man traf sich notgedrungen im Ort beim „Klütenmarkt“. Treffpunkt war Geffkens Brücke. An einem Abend hatten sich ungewöhnlich viele junge Leute eingefunden. Um genau zu sein, 16 Jungen und Mädchen. Man erzählte, lachte und scherzte zusammen, bequem lehnte sich die Dorfjugend zurück an das schon etwas marode Geländer der Brücke. Dasselbe hielt jedoch der Belastung nicht stand, es brach, und alle sechzehn Jugendlichen landeten im Wasser.
Auch die Bremervörder Zeitung hat darüber berichtet, es hieß: Es wurden gerettet 32 Arme und 31 Beine, doch alle 16 Jungen und Mädchen sind wohlauf. Wie das denn? Die Erklärung ist ganz einfach. Einer, nämlich der Schneider Janning, war einbeinig. Die Rechnung stimmte also, aber darauf soll man erst mal kommen.
Torftransport
Es war mal wieder soweit. Der Torfbullen war beladen mit bestem Brenntorf, Johann Haltermann und Hinrich Grotheer legten ab. Ziel war der Hafen in Bremervörde. Hin- und Rückfahrt dauerte etwa einen Tag. Auch die Menge „Korn“ war rationalisiert, 1 Flasche musste reichen für den Tag. Die beiden waren wohl an diesem Tag besonders „durstig“, jedenfalls war nach der Hälfte der Fahrt die Flasche bereits leer. Gut in Stimmung hüpften die Beiden nach dem Beladen auf dem schmalen Brett zwischen Torfschiff und Ewer auf und nieder. Sie sangen: „Wie hebbt keen Arbeit, wi hebbt keen Arbeit, wi wöt uk gor kenn woller hemm.“ Dabei verloren sie das Gleichgewicht und stürzten in das Hafenbecken. Prustend tauchten Johann und Hinrich wieder auf, doch eine Armbanduhr war weg, lag unten am Grund.
Christopher Schütt, immer für einen klugen Spruch gut, war auch dabei und sagte: „Als ji mit jaun Kopp ünner Woter weern, weer dat endlich mol still, so wie in de Kark. Un nu kennt de Fisch uk de Klock!“
Augustendorf 1956-1960
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Erinnerungen von Lehrer Hans-Jürgen Fabian
Augustendorf, du liebe kleine,
auch alt geword’ne Moorgemeinde,
in der ich vor fast 50 Jahren
die Lehrerweihen hab’ erfahren.
Du hast Geburtstag, und zum Fest
mich Du sogar heut’ laden lässt!
Ich danke dir und wünsche Glück
und denke gern an Dich zurück.
Ich bringe keine Festgeschenke,
doch sag’ ich, dass ich an Dich denke.
An Deine Menschen, liebes Dorf,
an Deine Birken und den Torf.
Ich höre den Kanal noch plätschern,
die Stimmen von den Brüdern Metscher(n),
die damals aus Amerika
zu zweit bei Hinni Metscher da.
Ich seh’ sie auf der Straße schreiten,
Zigarrenrauch tat sie begleiten.
Und beim Gespräch mit jedermann
boten sie Zigarren an.
Ich seh’ die Feuerwehr beim Übungsspritzen
und deren Chef mit den Schnauzbartspitzen,
der wie ein Korporal aus dem Napoleon-Krieg
gewichtig auf den Wagen stieg,
der einen Erhängten nach Gnarrenburg brachte,
was den Herrn Haltermann so amtlich machte.
Zu erzählen ist noch, dass die Leiche sehr stank,
darum beim Transport man manch’ Schnäpschen trank.
Dann sehe ich eine weitere Amtsperson,
Hinni Grotheer, den Postillion,
der nachts vor unserem Fenster rief:
„Ein Junge ist geboren!“, während ich schlief.
Es gab im Dorf nur zwei Telefone, beim
Bürgermeister und beim Postillione.
Und kam ein Anruf vom Krankenhaus,
dann musste auch nachts der Herr Grotheer heraus.
Ich sehe den Kollegen, Fritz Siebert marschieren,
nach Mittagsschlaf den Hund Flocki ausführen.
Vielleicht entfloh er auch nur dem Gedränge,
denn im Schulhaus herrschte noch Nachkriegsenge.
Herr Mallasch mit seiner Frau,
der wohnte gleich links, und genau
daneben die Sieberts mit Tochter Renate
und oben Gerda, die Hinni und zwei Kinder hatte.
Dann wohnten dort Wiskandts damals zu dritt
und im letzten Zimmer machten wir dann noch mit.
Drei Stufen hoch ein Treppchen führte,
vom Kanonenofen man Wärme spürte.
Ein Bett passte nur ins Zimmer rein
und trotzdem, die Zeit schien uns fein.
Jung, wie wir waren, genügte ein Bett,
ein Dach übern Kopf, so war man komplett.
Später dann, als ein Kind geboren,
haben wir doch den Spaß an der Wohnung verloren.
Nur braunes Wasser, von unten zu holen.
Genau so die Feuerung, Briketts und die Kohlen.
Zwar gab es am Schulhaus auch’ ne Zisterne,
aus der wir das helle Wasser genossen recht gerne.
Jedoch nach einer Zisternenreinigung
gab es bei mir und Ilse die Einigung:
Nie wieder das helle Wasser zu trinken,
denn wir sahen im Fallrohr Knochen blinken.
Durch eine Vogelleiche, vermutlich ein Star,
floss alles Wasser und so wurde es klar.
Von da an hieß es: Nase zu halten!
Und runter mit dem braunen Wasser, dem kalten.
Das hat uns „Stadtlüüd“ nicht geschadet,
auch nicht, das wir im Moorsee gebadet.
Augustendorf in den Fünfzigern war Landleben pur!
Für uns war es damals schon historische Tour!
Wir brauchten nicht Moorhof, nicht Heimathaus.
Die Häuser hier sahen fast alle so aus.
Doch Schornsteine hatten sie, bis auf eins.
Das war bei Hilken, die hatten noch kei(nen)s.
Die Adele war damals beängstigend schlank!
Ich sah sie vor Jahren. Sie gedieh, Gott sei Dank!
Es gab natürlich auch kein WC
im Schulhaus selbst. Doch in der Näh’,
50 Meter über’n Schulhof, da fand man sie,
für ca. 7 Personen die Plumpsbatterie!
Die Auswahl war reichlich. Das menschliche Rühren,
das konnte man hier gemeinsam verspüren!
Manche herrliche Mondscheinnacht
haben wir dort Tür an Tür verbracht.
Und war Besuch da, ein Freund aus Bremen,
dann konnte der das 3. Klo nehmen.
Ja, es war eine herrliche Zeit,
runtergelassene Hosen, geschürztes Kleid.
So saßen wir über Emailletrichtern
und guckten durch Herz nach den Sternenlichtern.
Glück für mich, das die Prostata
damals noch nicht so wie heute war!
Augustendorf, ganz ohne Frage,
bist schön du bis zum heutigen Tage!
Nur mit der Versorgung, denke ich,
klappt’s nicht wir früher sicherlich:
Quer übern Schulhof, hoch auf’s Moor,
dann stand man vor dem Dielentor
von Wilhelm Otten. Linkerhand
der Kaufladen sich im Haus befand.
Und Oma Otten holte aus Gläsern und Kästen
die Sahnebonbons, 2 Pfennig, die Besten!
Mit Mehl und Zucker in Tüten gefüllt
wurden die meisten Wünsche der Hausfrau gestillt.
Und welcher Luxus! Der Läden gab’s zwei,
ein mobiler war damals auch schon dabei!
Nämlich Hinni Otten mit Pferd und Wagen.
Heute noch hören wir ihn manchmal noch fragen
immer mit den gleich Worten:
„Wat gefällig?“ hier vororten.
Mancher, der so alt wie ich,
wir wohl dran erinnern sich!
Heute sieht’s ganz anders aus.
Alle fahr’n zur Großstadt raus.
Einkauf ist meist unpersönlich,
nichts sieht mehr den Ottens ähnlich.
Auch was Urlaub war, ist sehr verändert.
Reisen gehen in ferne Länder.
Oft nimmt Kredit man dann,
damit man schick verreisen kann.
So was hat es im Leben
von Hermann Otten nie gegeben.
Der fertigte außerhalb seiner Torfgräberzeit
beste Heuharken und Stiele weit und breit.
Kam dann der Frühling ins Augustendorfer Land,
er seine Produkte zusammenband
und schulterte sie und trug sie weg.
Verkaufstour mit Urlaub, das war der Zweck!
Und oft vergingen, nachdem er aufgebrochen,
bei so einer Tour wohl bis zu zwei Wochen.
Gut erholt sah er dann meistens nicht aus
und Ärger gab’s auch mit den Seinen im Haus.
Die Urlaubsbasis der Schüler war auch immer schmal:
Bei Wärme das Baden vorm Haus im Kanal.
Im Winter das Glitschen da auf dem Eis,
wovon ich noch eine kleine Story weiß.
Es hatte gefroren, das Eis war nicht dick,
doch hielt nichts die großen Schüler zurück
zu testen, ob das Eis wohl hielte
und ob man mit einem Auge zu den Mutigen schielte.
Hermann Alpers, der auf dem Eise stand,
hielt noch zwei Jungen an der Hand.
Und stolz schrie er gerade: „Drei upp’n Hümpel!“
Da kracht’s und die drei war’n bis zum Bauch drin im Tümpel.
Ich erinnere mich an Schützenfeste
mit Vogelstechen für Kinder, das war das Beste.
Und an den Schützenball, wo man im Großen und Ganzen
tat mutig die Löcher im Fußboden umtanzen.
Da gab es auch Rennen mit Seifenkisten,
wobei wir den Abrollbügel gar nicht vermissten.
Man schob dann die Kisten mit Fahrer und wie …………!
Das einzige, was schmerzte: Blutige Knie!
Den Saal, den ich nun wieder sehe,
war baurechtlich damals nicht auf der Höhe.
Doch Handwerker gab es im Dorfe zur Mitten:
Thobaben, den Maurer, und den Herrn van der Pütten,
den Tischler, der änderte auf modern uns die Betten
aus ererbten Bestand wie wir sie gern hätten.
Und einen Tisch baute er mit „Resopal“,
der heute noch lebt (im Keller zumal).
Dann gab es (und gibt es) die Zimmerein Katt,
die für uns damals die Holzreste hat’,
mit denen man heizte. Öl gab es nicht.
Und ich war damals schon ein geiziger Wicht.
War es kalt, der Ofen aus,
dann gingen wir einfach zu Zühlkes raus.
Dort war es warm, und nett war’n die auch,
so wurde das zum Gewohnheitsbrauch.
Man war schon bescheiden. Das Geld war auch knapp.
Wir bekamen 250.- DM als Gehalt damals ab.
Und die Auszahlung kam Monate verspätet,
da waren wir beide gewaltig geknetet!
Für uns war ein Glück, dass Bürgermeister Garms
bei der Volksbank ein Wort einlegte, und dann kam’s!
Zunächst als Kredit, dann überwiesen,
und schnell waren wir raus aus den Zahlen den miesen!
Da fällte mir noch eines ein von den ernsten Dingen,
die mir doch sehr an die Nieren rangingen:
In Augustendorf war es die Sitte,
das man den Lehrer beim Trauerfall bitte.
Er spricht die Worte am Sarg im Haus
und sucht die Gesänge für die Feier aus.
Das dies so war, hatte ich am Rande gehört.
Es hatte mich eigentlich wenig gestört.
Denn 1956, da machte das noch der Herr Siebert, der Erste.
Ich ließ ihm das gern, es war doch das Schwerste.
Und ich war jung! Mit 25 Jahren
hat man doch selber kaum Trauer erfahren!
Jedoch eines Abends zum Winter dann
standen schwarz gekleidet vor der Tür da zwei Mann
und sagten: „Opa is bleben!“
Und Herr Siebert, der hätte das abgegeben.
Ich hatte nichts gewusst und geahnt!
Der Kollege mich niemals vorgewarnt.
Und zusätzlich wurde mir noch bekannt,
der Tote starb von eigener Hand.
Ihr könnt euch wohl denken, wie es mir da war,
doch hab ich’s gemacht und weiß heute klar:
Das war für mich Gottes Fügung.
Ich kam nun häufig mit Trauer und Leid in Berührung.
Als dann der Tod auch uns hart berührte,
ich durch das Erfahrene viel Hilfe verspürte.
Es ist dem Menschen gut zu wissen,
auch er wird einmal sterben müssen.
Doch wie es im Leben auch geht,
jetzt noch ein Mobilität:
Bei Geestmanns am Anfang vom Ort,
da fuhr man M12, den Taunus von Ford.
Der Milchfahrer Geffken Isabella fuhr,
wenn er zurück von der Milchsammeltour.
Aus dem Nachbarort Langenhausen,
sah man mit Käfer Kowalewski ranbrausen.
Auf Zündapp kneterte nach Gestenseth
der Uli Zühlke mit seiner Gret(e).
Das Hinterrad war überhaupt nicht gefedert,
da war man im wahrsten Sinne gerädert.
Wir fuhren nach einem Jahre dann
schon BMW, mein lieber Mann!
Zwar nur ’ne Isetta, doch ihr versteht,
für Augustendorf ein Schlaglochsuchgerät!
Fahren wir heute nach Augustendorf rein,
spürt man kaum Wellen und kann sich recht freun,
das man nicht durchs Autodach fliegt
oder sich Knochen und Achse verbiegt.
Das mag an der Technik des Autos liegen,
insgesamt wird wohl die Moderne siegen.
Die Pumpsklos sind auch hier nicht mehr da,
das Wasser aus Rohren fließt duftlos und klar.
Es bleiben die Menschen, die Birken, der Torf,
mit einem Wort: AUGUSTENDORF!
Und dieses Dorf lebt Kontinuität,
insbesondere, weil ihm immer noch ein Metscher vorsteht.
Wir grüßen euch alle, die Röpkes und Katts,
die Bungers, die Grotheers, die Riggers am Platz,
die Schlüters, die Sprenglers und Nietfelds ganz breit,
auch Ahrens, Brodtmanns und Willuweit…….
die Scheibels und Schröders und Ahrensfeld
und wer sich sonst noch zu Augustendorf stellt.
Gott erhalte Euch Eure Heimat mit Birken und Torf. Er schütze das schöne Augustendorf!
Anmerkung: (fm) Hans-Jürgen Fabian unterrichtete von 1956 bis 1960 die „kleine Klasse“ (Schulj. 1 - 4), es war seine erste Schulstelle. Obwohl sehr konsequent und (-wenn es sein musste) durchaus streng, war Lehrer Fabian war bei den damaligen „Kids“ sehr beliebt. Hans-Jürgen Fabian war mit seiner Frau beim Festkommersabend am 15. August 2003 anlässlich der 175-Feier Augustendorfs als Ehrengast geladen. Für seinen Vortrag „Erinnerungen an die Augustendorfer Zeit“ erntete er viel Beifall. Weil „Fabians Verse“ des Öfteren nachgefragt wurden, haben wir uns erlaubt, das Gedicht im Internet auf der Augustendorfer Website zu veröffentlichen. Die Augustendorfer wünschen Hans-Jürgen und Ilse Fabian „Alles Gute“, vor allen Dingen gute Gesundheit für die nächsten Jahre.
Festrede 175 Jahre
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(gehalten von Ortsvorsteher Friedrich Metscher beim Festakt am 15. August 2003)
Liebe Festgemeinde!
Ich gratuliere zum Geburtstag. Heute ist Elsbeth Hinck 50 Jahre alt geworden. In der Jubiläumswoche vom 10. bis zum 17. August haben noch einige von uns Geburtstag, wir gratulieren nachträglich Heidrun Schütt zum 29., Marika Hilken zum 37., Hans-Ludwig Buchholz zum 42. und Johann Dammann zum 70. Geburtstag. „Herzlichen Glückwunsch“ allen Geburtstagskindern. Der Abend ist gesichert. Und übermorgen wird der kleine Hannes Schröder 5 Jahre alt, da gratulieren wir auch schon mal.
5 Jahre, 50 Jahre oder 70 Jahre, mit dieser Zeitspanne können wir etwas anfangen. Augustendorf aber ist in diesem Jahr 175 Jahre alt geworden: Da können uns nur sehr schwer vorstellen, eine wie lange Zeit das ist. Aber vielleicht hilft es uns ein bisschen, wenn wir uns vor Augen führen, dass mittlerweile die 6. Generation auf den damals angelegten Hofstellen lebt. Und sie lebt heute selbstverständlich heute ganz anders als damals und viele Jahrzehnte danach.
Vieles hat sich in den letzten 175 Jahren verändert. Aber es ist Wirklichkeit geworden, aus dem Moor, der Einöde, in die keiner wollte, ist gutes Land geworden, das lange Zeit ihren Bewohnern das Auskommen sicherte. Heute ist das leider nicht mehr der Fall, weil sich die Strukturen, vor allen Dingen in der Landwirtschaft in so dramatischer Weise verändert haben, dass nur noch 8 von ehemals 40 Höfen ihre Einkünfte ausschließlich aus dem landw. Betrieb erzielen. Und diese Entwicklung ist noch nicht am Ende angelangt.
Viele Gedanken beschäftigen sich an einem solchen Tage vor allen Dingen mit der Vergangenheit, die mit diesem Jubiläum wachgerufen wird, vielleicht mit einem kleinen Ausblick auf die Zukunft unseres Dorfes. Unseren Zeitgenossen – besonders den Jüngeren – bedeutet die Vergangenheit oft nicht viel. Und auch das mittlere Alter beschäftigt zur Hauptsache die Gegenwart, sie nimmt alle unsere Kräfte in Anspruch. Der Job, die Arbeitslosigkeit, die Sicherheit unserer Renten, die Existenzangst des Handwerks- und des landwirtschaftlichen Betriebes, die zu erwartenden scharfen Einschnitte in das soziale Netz, welches nicht mehr finanzierbar ist. Dazu das Bedrückende, es gibt kaum Alternativen.
Das sind die beherrschenden Themen überall wo man hinhört und sie lassen keinen allem Anschein keinen Raum, um sich mit dem was war, mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Heute ist der Tag dafür.
„De Dorpslüd“ lassen für eine Woche die Vergangenheit lebendig werden. Am letzten Sonntag haben wir hier auf dem Saal einen Gottesdienst gefeiert in unserer Heimatsprache, dem plattdeutschen. Und nachmittags am Grab unseres Gründers Nicolaus Witte auf dem Friedhof „Hohe Worth“ in Bremervörde einen Kranz niedergelegt. Morgen geben alte Maschinen Einblick in den Beginn der Technisierung unserer Gegend und für die Kinder wird etwas geboten. Luftballons tragen die Kunde von diesem Ereignis nach Irgendwo. Abends wird getanzt, gesungen, gefeiert mit Bier und Wein (auch ich werde mir einige Steinhäger genehmigen). Und wenn ein starker Kaffee und vielleicht ein Rollmops die Birne morgen früh wieder frei gemacht haben, der Kater vertrieben ist, geht es auf den Festwagen. Schöne historische Festwagen können bewundert werden und ihre Aufmerksamkeit erregen. Und wem das alles nicht genügt, der ersteht für .....€ die Chronik, denn da kann man alles noch einmal nachlesen. „Augustendorf vorgestern – gestern – heute.“
Ich werde bewusst auf einen Langweiler, nämlich auf die Aneinanderreihung von geschichtlichen Daten verzichtet, weil jeder, der heute Abend hier ist, ja die Festschrift mit nach Hause nehmen wird.
2 Jahre haben wir uns vorbereitet auf dieses schöne Fest. Und das alles nur für eine Woche feiern? Oder wird die Besinnung noch etwas länger andauern und nachwirken, weil es uns Menschen eben nur doch 1x im Leben vergönnt ist, ein Dorfjubiläum bewusst und in vollen Zügen bei einigermaßen guter Gesundheit zu erleben?
Eine Antwort auf diese Frage kann ich nicht geben, aber eins weiß ich ganz sicher: Ohne die ersten Siedler, die hier in der Wüste, wie Findorff einst das Teufelsmoor nannte ( „Davelsmoor“, eine Gegend zum „Verdarben“ (verderben), oder auch „Düwelsmoor“, doves oder duves Moor, was von taub und unfruchtbar kommt) anfingen, arbeiteten und starben, wäre der heutige Tag nicht denkbar und wir nicht hier.
Das Schicksal lag schon damals nicht und liegt auch heute noch nicht nie ausschließlich in den eigenen Händen. Es ist immer leicht zu sagen: „Nimm doch dein Schicksal in die eigenen Hände!“ Aber so einfach ist das nicht, alleine schaffen wir es sowieso nicht. Warum aber haben es denn unsere Vorfahren geschafft? Ich will es euch sagen, unerschütterliches Gottvertrauen, der Weg zur Kirche in Gnarrenburg war niemanden zu weit zu Fuß und jeden Sonntag, und die ungebrochene Hoffnung auf eine bessere Zukunft hat unsere Vorfahren geholfen dabei, mit den Problemen in dieser so lebensfeindlichen Gegend fertig zu werden. Manch einer hat verzagt, hat aufgegeben und ist weggezogen von hier. Auch für Augustendorf gilt der Satz, jeder kennt ihn:
„Dem 1. der Tod – dem 2. die Not – dem 3. das Brot“
Dem 1. der Tod:
Der Fiskus forderte von den ersten Siedlern unter Anderem auch, binnen 6 Jahren ein festes Wohnhaus zu errichten. Das war schwierig genug, musste doch jegliches Bauholz von den Nachbardörfern oder von der Geest mühselig herbeigeschafft werden, auf den Schultern der Männer. Denn es gab weder eine Straße, noch einen schiffbaren Graben. So wohnten die Menschen zusammen mit den Tieren manchmal länger als vorgesehen in „Nur-Dach-Häusern“. 14 schlanke Birken, aus Langenhausen geholt, mit der Wurzel in die Erde gesteckt, oben zusammengebunden und mit Plaggen und Heide bedeckt. Das war die „Luxussweet,“ der Moorbauern.
Diese alten Moorkaten. Im Winter mit dickem Eis an den Innenwänden, im Sommer stickig heiß. Bei starkem Regen spülten die Erdplakken ab und es regnete durch. Wasser in den Hütten, immer feucht, die Schwindsucht oder Tuberkulose raffte Kinder und Erwachsene viel zu früh dahin und wenn der Regen das wärmende Feuer erloschen hatte, hieß es auf zu Fuß nach Langenhausen, um glühende Kohlen zu holen, Streichhölzer kannte noch niemand. Backen in ihren Backöfen ließen die Langenhäuser die Augustendorfer allerdings nicht, man sah die neue Kolonie nämlich als Konkurrenten im Torfverkauf. Das war aber gar nicht nett, liebe Langenhäuser. So gingen die Augustendorfer mit ihrem Brotteig den beschwerlichen Weg bis nach Klenkendorf und zurück.
Dazu die Tücken des Moores, Überschwemmungen, die knüppelharte Arbeit des Torfgrabens in sengender Sonne. Nebenbei etwas Land kultivieren, Moor- und Heide brennen und Buchweizen in die warme Asche sähen. Und dann schlug im Juni Väterchen Frost noch einmal brutal zu und der Buchweizen verfror. Er blühte dann zwar noch sehr schön, es bildete sich jedoch nur noch kleine Körner oder gar keine mehr aus. Hunger in den Moorhütten, das hieß „Betteln gehn.“ So mancher Fluch ist über dieses widerspenstige Land erklungen, wie viel Schweiß und Tränen hat dieses verdammte Moor aufgesogen wie ein Schwamm. Kummer, Verzweiflung, Kraft- und Mutlosigkeit, Armut, Hunger, Schmerz, Leid und Tod, die ganze Palette des Elends bestimmten das „Leben“ der 1. Generation. Das Moor, dass die angrenzenden reichen Geestbauern wohl gerne nahmen, um in trockenen Jahren, wenn auf dem Sande alles verdorrt war, ihr Vieh hineinzutreiben, wovon sie aber ansonsten sagten: „Dort im Moor leben, niemals, dort möchte ich nicht tot über’n Zaun hängen!“ - Dem 1. der Tod –
Dem 2. die Not:
Natürlich sind nicht alle gestorben an Hunger und Krankheit, aber ich kann mich auch nicht anfreunden mit dem Gedanken, dass der „Schnitter“ hier eine natürliche Auslese getroffen hat, nach dem nur die Stärksten uns Wiederstandsfähigsten überlebt haben, deren Nachkommen wir sind. Not und Tod waren in der 1. Generation ein unheilvolles Gespann, sie gingen Hand in Hand.
Aber ab wann kann man denn sagen:
Dem 3. das Brot:
Die ersten Siedler sind hierher gekommen, um sich durch landw. Arbeit eine Existenz aufzubauen. Aber wie sollte das denn gehen mit durchschnittlich 2 Kühen, 3 – 8 Schafen und 1 Schwein noch im Jahre 1848. 2 Pferde im ganzen Dorf. Das war zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Also begann man, das „braune Gold“ zu stechen und Brenntorf überwiegend nach Bremervörde zu verschiffen und zu verkaufen. Möglich wurde das aber erst durch die Schiffbarmachung des Kanals 1852 und deren Vertiefungen danach.
Der Haupterwerb war also der Torfverkauf und der Transportweg der Schiffsgraben. Mit dem Torf-Bullen (er fasste immerhin 13.000 Soden Torf oder 12 m³) wurden nach dem Entladen die Dinge des täglichen Bedarfs, vor allem aber auch Dünger Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Bremervörder Hafen mit zurückgenommen. Die enge Verbindung der Augustendorfer zum Torf und ihrem Kanal wird glaube ich immer deutlicher.
Denn erst durch den Einsatz von Handelsdünger, hier vor allen Dingen Kalkmergel, Thomasphosphat und Chilesalpeter, und der weiteren Entwässerung des Moores konnten nun auch die Erträge aus der Landwirtschaft gesteigert werden. Das war überlebenswichtig, nachdem die Braun- und Steinkohle den Brenntorf als Heizmaterial verdrängt hatte. Danach jedoch ging es bergauf, Augustendorf entwickelte sich gut und wurde zu einer blühenden Kolonie. Rückschläge gab es nur noch durch die Weltwirtschaftskrise 1930 und dem schmerzlichen Verlust von 28 Opfern im 1. Weltkrieg und 38 Toten im 2. Weltkrieg, die heute Abend nicht unerwähnt bleiben dürfen.
„Dem 1. der Tod – dem 2. die Not – dem 3. das Brot“
Aber wie war das denn eigentlich mit Zusammengehörigkeitsgefühl, dem Zusammenstehen in schweren Zeiten, der Harmonie unter den Dorfsleuten, der Dorfgemeinschaft, die heute so gerne bei jeder Gelegenheit hervorgehoben wird in den vergangenen 175 Jahren. Nicht immer so rosig, die Älteren können sich an das Eine oder das Andere sicher noch erinnern. Da gab es mitten im Dorf, in Höhe der „Alten Schule" so eine Art Grenze. Ab Dorfmitte Richtung Langenhausen war „Nedden in’n Dörp“, in Richtung Glinstedt „Boben in’n Dörp.“ De „Neddersten“ und de „Böbersten.“ Das, liebe Gäste, hatte weit mehr zu bedeuten als nur, dass das Wasser im Augustendorfer Kanal von oben nach unten fließt.
Ich hatte als Schüler und Jugendlicher einiges an Grappen im Kopf. Ich gebe es ja heute zu: Ich fuhr auf die „Beatles“ total ab, war der erste im Dorf mit einer Pilzkopffrisur, meine Eltern haben sich wohl manchmal geschämt für den ausgeflippten kleinen Fritz. Tierarzt oder Pastor wollte ich werden, da ist nichts von geworden. Die Geschichte von Augustendorf hat mich zu der Zeit jedenfalls nicht die Bohne interessiert.
Aber gewundert habe ich mich schon, warum die großen Jungens von „Boben“ und „Nedden“ den Schulschluss nicht abwarten konnten um sich anschließend tüchtig zu verhauen.
Gewundert habe ich mich auch darüber, warum zu Pfingsten die Maibäume getrennt gepflanzt und begossen wurden. Ein erster Versuch, zwar getrennt zu pflanzen und zu begießen, aber hinterher wenigstens gemeinsam zu feiern scheiterte kläglich. Weil die von „unten im Dorf“ eher fertig waren, kamen sie uns ein Stück entgegen über die Grenze „Alte Schule“ und begossen den Baum eines unserer Mädchen. Das hätten sie lieber nicht getan, denn schon hatten wir das ganze Theater wieder im Gange. Aber warum das alles? Der Grund lag schon viele Jahrzehnte zurück, aber darauf muss man kommen.
Wer unten im Dorf seine Anbauerstelle hatte, fand überwiegend hellen Torf vor, er konnte auch den „Schwarzen“ in den tieferen Schichten aufgrund des Wasserstandes meistens nicht bergen. Die Marienhütte in Gnarrenburg nahm den „griesen“ Torf jedoch ab für 15 Mark je Torbullen.
Die Moorbauern oben im Dorf hatten den besseren Torf, bei Schomaker Nr. 35 war die Schwarztorfschicht sogar 4 m dick. Mit ihm konnten die Ewerschiffer in Bremervörde bedient werden, der Preis für einen Bullen Brenntorf betrug im Durchschnitt 55 Mark. Muss man da noch etwas erklären? Ich glaube nicht, wer kann es schon gut haben, dass bei der gleichen schweren Arbeit der Verdienst viermal geringer ist.
Und da ist ja noch die Sache mit dem Straßenbau im Jahre 1921. Der Gemeinderat hatte beschlossen, die Straße in Eigenleistung mit gebrannten Klinkern zu pflastern, die berühmten Hand- und Spanndienste. Alle Anwohner halfen auch kräftig mit, bis zur Dorfmitte „Alte Schule“. Da war es mit der Mithilfe der „Neddersten“ vorbei, man vertrat die Ansicht, die „Böbersten“ könnten ja weiterhin auf dem Sandweg fahren. Die Kluft wurde dadurch verständlicherweise nicht kleiner. Immerhin, die Straße wurde irgendwie fertig. Die Zusage des LK Bremervörde, unsere Dorfstraße als Kreisstraße (K 3 / K 148) zu übernehmen, wurde eingehalten. Welch ein Glück für Bürgermeister Bayer, sonst hätte er unsere Straße auch noch an den Hacken gehabt.
Auch der „Drainagenkrieg“ spaltete das Dorf um 1900 rum. Um vernünftig entwässern zu können, mussten die Vorfluter vertieft werden. Dafür gab es Zuschüsse und unterschiedliche Meinungen unter den Moorbauern über die Notwendigkeit dieser Maßnahme. Man war sich ganz und gar nicht einig. Als eines Tages der Wiesenbaumeister (staatlich angestellt) kam um zu kontrollieren, ob die Arbeit ordentlich nach Vorschrift ausgeführt worden war und der Zuschuss ausgezahlt werden konnte, fand sich dieser unversehens im Graben wieder. Über ihm 2 Bauern mit einem Knüppel in der Hand, einer soll gerufen haben: „Slo em dod!“ Der Wiesenbaumeister konnte sich jedoch wehren und zog seine Pistole. Der Vorfall lief ohne Blutvergießen ab.
Auch das waren die sonst so friedlichen Augustendorfer. Warum ich das alles so ausführlich erzähle?
„Nedderste“ und „Böberste“, das gibt es heute wirklich zum Glück nur noch geographisch, alles andere ist längst endgültig at Acta gelegt. Solche Geschehnisse wie damals sollen, dürfen und werden nicht wieder aufflammen. Sie gehören zwar zur Geschichte Augustendorfs dazu, sind aber Schnee von gestern.
Wir sind ein Dorf!
Ein Mooranbauer hatte einen Traum. Er ging durch das Moor mit Gott, die Fußabdrücke waren im nassen Moorboden zu sehen. Während sie so gingen, liefen die Stationen seines schweren Lebens vor seinen Augen ab. Als der Mooranbauer an den schwierigsten Stellen des Weges nur eine Spur entdecken konnte, fragte er besorgt den Herrn: „Herr,du wolltest doch auf allen Wegen bei mir sein, aber in den schwersten Zeiten meines Lebens sehe ich nur meine eigene Spur versunken im Torf. Wo warst Du, als ich dich am nötigsten brauchte?“ Gott antwortete ihm: „Dort, wo Du nur eine Spur siehst, da habe ich Dich getragen!“ Was soviel heißen soll: Ich habe Dir die Kraft geschenkt zum Überleben! „Spuren im Moor“, so hieß dieser Traum.
Das Überleben im Moor bei uns in Augustendorf konnte nur gelingen, wenn beides zusammenkam: Vertrauen auf Gott und Vertrauen in die eigene Kraft, wer eines von beiden nicht hatte, hatte schon von vornherein verloren. Ich hoffe, dass wir und auch die heutige Jugend noch ein paar Gene auf den Chromosomen vererbt bekommen haben, die einst den Pioniergeist unserer Ahnen ausmachten. Denn die brauchen wir, um auch die Zukunft meistern zu können.
Wie hat sich nur die Zeit gewandelt. Unsere Vorfahren haben hier Not und Tod erlitten, sie haben uns jedoch ein wunderschönes Fleckchen Erde hinterlassen. Manch einer möchte hier heute gerne wohnen, bekommt jedoch keinen Bauplatz. Liebe Augustendorfer, seid bloß nicht neidisch auf andere Dörfer oder Städte, die angeblich so viel Tolles haben. Schaut über die Ortsgrenzen hinaus und hört einmal mehr auf die Kommentare der Auswärtigen über Augustendorf, wie sie unser Dorf sehen und beurteilen. Wir leben trotz aller auch heute noch vorhandenen Widrigkeiten, die das Leben auf diesem Boden mit sich bringt, in einer noch fast heilen Wunderwelt. Eine Welt, die es zu erhalten gilt, ich wünsche uns die Augen und die Muße, das zu sehen und auch zu verstehen.
Wir sind nicht im Paradies und erst recht keine Engel. Das Leben geht hier seinen Gang ohne Weltrekorde und Sensationen, natürlich und mit allen menschlichen Schwächen. Menschlich, und gerade deshalb gut. Jeder weiß um den anderen, das negative aber auch das positive. Wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen und helfen, und das nicht nur bei Hochwasser.
Von fast jedem Haus aus kann man morgens die Sonne aufgehen und sie abends untergehen sehen. Die abgesackte Straße, der Riss in der Mauerwand erinnern uns aber jeden Tag daran, dass es nichts Beständiges auf dieser Erde gibt. Der Grund, auf dem wir leben – Moor – ist immer beides, Fluch und Segen zugleich.
Entstanden vor 10.000 Jahren nach der letzten Eiszeit – was sind da schon 175 Jahre..............
Zu Beginn des Jahres 1831 ließ der Gemeindevorsteher Janning die Junggesellen des Dorfes am Stiel eines Moorhakens schwören, binnen eines Jahres nicht zu heiraten, um das Elend nicht noch zu vergrößern. Für noch mehr Kinder gab es in der 40 Menschen umfassenden Kolonie nicht genügend zu essen. Darüber allerdings, ob der Schwur eingehalten wurde, schweigt der Chronist. Meistens ist ja der Geist willig, aber das Fleisch schwach................
In dem Theaterstück „Ut ole Tieden,“ welches von den Anfängen Augustendorfs handelt, wird erzählt, das am Heiligen Abend 1831 das erste Kind in Augustendorf geboren wurde, worauf der Siedler Janning freudig ausruft: „Wir können heilfroh sein, unsere Heimat ist gesegnet. Es geht bergauf mit uns, Augustendorf soll leben!“ Ein Ruf, dem ich mich anschließen möchte heute abend.
Freude bewegt uns an diesem Tage. Möge sie uns Gott erhalten auf allen Wegen, welche die Bewohner von Augustendorf noch vor sich haben.
Heute – Morgen – Übermorgen – Alle Zeit!
Ich danke Euch.