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"Eine Ära geht zu Ende" (von Ehrenortsvorsteher Hermann Schröder †)
Die große Jubiläumsfeier, 150 Jahre Augustendorf, ist verklungen. Viele gute Erinnerungen an das schöne Fest blieben uns noch lange erhalten, doch der Alltag kehrte schnell wieder ein.
Schnee- und Wasserkatastrophe
Der Februar 1979 hat uns mit viel Schnee eingedeckt, an verschiedenen Stellen türmten sich Berge von 2 – 3 m Höhe auf, die ein Passieren für Pkws unmöglich machten. Am 3. März setzte plötzlich Tauwetter ein. Der Kanal konnte die Wassermassen nicht aufnehmen und so hieß es im unteren Dorf „Land unter“. Alle Feuerwehren aus dem Bezirk Gnarrenburg waren im Einsatz. An einigen Häusern entstanden hohe Sachschäden.
Vorerst keine Straßenbeleuchtung
Der Vorstand des Kulturvereins bemühte sich 1979 darum, dass Augustendorf entlang der Kreisstraße 103 Straßenbeleuchtung bekommt. 20% aller Kosten wollte der Landkreis Rotenburg/Wümme übernehmen, der Erlös aus dem Verkauf des Schullandes sollte ebenfalls in die Finanzierung mit einfließen. Die Anliegerbeiträge für die Haus- und Grundbesitzer von voraussichtlich 350 – 400 DM konnten so relativ gering gehalten werden. In einer Bürgerversammlung vom 10. April wurde das Projekt jedoch mehrheitlich von den Bürgern abgelehnt und somit war die Straßenbeleuchtung vorerst auf Eis gelegt.
Eine Ära geht zu Ende!
Die landw. Ein- und Verkaufsgenossenschaft Augustendorf schloss ihre Pforten. 1911 setzen sich Landwirte zusammen, um eine Genossenschaft zu gründen. Ihr Ziel war es, Düngemittel in größeren Mengen günstiger einzukaufen, um so gemeinsam die Not in der Landwirtschaft zu lindern und die Existenz der bäuerlichen Familien zu sichern.
Im Jahr 1952 betrug der Jahresumsatz bereits 26.000 DM. Die Landwirte wollten aber mehr mit ihrer Genossenschaft erreichen und so wurde im Dorf eine Lagerhalle errichtet. Es wurden außer Düngemittel nun auch Futtermittel aller Art, Spritzmittel und sonstige landwirtschaftliche Geräte angeboten. Außerdem wurde eine Feldspritze angeschafft. Der erwirtschaftete Reingewinn floss den Mitgliedern als Warenrückvergütung wieder zu. Die kleine Dorfgenossenschaft mit ca. 50 Mitgliedern erreichte einen Jahresumsatz von einer halben Million DM.
Nachdem Geschäftsführer Hermann Schröder nach 27 Jahre die Leitung der Genossenschaft abgab und kein neuer Geschäftsführer gefunden werden konnte, fusioniert die Genossenschaft 1980 mit der Raiffeisen Waren- Genossenschaft Gnarrenburg.
Fuß- und Radweg für Augustendorf
Ein großes Geschenk wurde Augustendorf 1986 vom Landkreis Rotenburg beschert. Neben der Kreisstraße auf einer Länge von 4,8 km wurde ein Fuß- und Radweg gebaut. Die Baukosten hierfür betrugen immerhin 800.000 DM, von denen die Gemeinde Gnarrenburg 15 % übernahm.
Vorausschauend wurde beim Bau ein Stromkabel für eine eventuelle spätere Straßenbeleuchtung mitverlegt. Zum Herbst erhielt unsere Kreisstraße eine neue Asphaltdecke. Ein erfolgreiches Jahr für unser Dorf.
Hilkensche Haus Augustendorf Nr. 11
Ein weiterer Glücksfall war für Augustendorf 1986 der Erwerb des Hilkenschen Hauses Augustendorf Nr. 11 durch die Gemeinde Gnarrenburg. Der Kaufpreis betrug einschließlich aller Nebengebäude und 9 Morgen Land 80.000 DM. Da das noch im Original erhaltene Rauchhaus als wirkliches Altertum zu bezeichnen war, sah das Nutzungskonzept der Gemeinde an dieser Stelle die Errichtung eines „Historischen Moorhofes“ vor. Der Nachwelt sollte auf dem Gelände gezeigt werden, wie unsere Vorfahren gelebt und wie hart sie gearbeitet haben. Überörtliche Finanzhilfen liefen an und ein Trägerverein wurde gebildet. Der Heimatverein Gnarrenburg e.V. betreut und verwaltet seitdem die auch von Fachleuten anerkannte Museumsanlage.
Zentrale Abwasserentsorgung
Nach jahrelangen Verhandlungen und Berechnungen wurde 1986 die Abwasserleitung als Druckentwässerung fertig gestellt und an das Klärwerk in Gnarrenburg angeschlossen. Neben den Anschlussbeiträgen in verschiedenen Staffeln je nach Grundstücksgröße wurden Abwassergebühren nach dem verbrauchten Frischwasser erhoben. Da jedoch fast alle Hausklärwerke (Klärgruben) veraltet waren und nicht mehr den Vorschriften entsprachen, ist die zentrale Abwasserentsorgung unbedingt zu begrüßen, denn schließlich konnten nun auch wieder mehr Bauvorhaben im Ort genehmigt werden.
Endlich Straßenbeleutung!
Es ist es soweit. Im Jahre 1989 wurde die Straßen-, Fuß- und Radwegbeleuchtung gebaut. Das vor 10 Jahren noch auf Eis gelegte Vorhaben wurde nun endlich Wirklichkeit. Der Kulturverein Augustendorf bezuschusste die Maßnahme mit einem Betrag von 16.000 DM, sodass aufgrund der guten Finanzierung den Anliegern lediglich ein Betrag von 350 DM zu zahlen blieb. Ein denkwürdiger Tag für alle Einwohner und Freude bei den Schulkindern, die im Winter bei Licht und somit sicher die Bushaltestellen erreichen konnten.
Dorferneuerungsprogramm
Augustendorf ist 1996 in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen worden, darüber im nächsten Kapitel mehr.
Geldwandel
Noch ein Wort zu unserer Währung: 1924 lief uns die Rentenmark mit Billiarden davon, 1948 starb die Reichsmark und am 31.12.2001 unsere so geliebte Deutsche Mark. Es folgte der mit vielen Vorschußlorbeeren bedachte Euro, der sich am Anfang jedoch in einen „Teuro“ verwandelte.
Höfesterben
Mit Wehmut sehe ich das Höfesterben. So manche große Tür wird nicht mehr aufgemacht. 1970 hatten wir im Dorf 46 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe von 10 – 15 ha, die alle lebensfähig waren. Schon bis 1980 gaben zahlreiche Betriebe auf, diese Entwicklung setzte sich bis zum Jahre 2000 fort. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass wenigstens ein paar gesunde größere Betriebe überleben und das Wahrzeichen von unserem ehemaligen Bauerndorf weitertragen.
Unsere Jugend bitte ich, das Alte zu ehren das Neue zu gestalten!
Schlusswort
Für das Jubiläum 175 Jahre Augustendorf wünsche ich allen Augustendorfern ein paar schöne und besinnliche Tage. Allen Gästen einen angenehmen Aufenthalt in unserem schönen Augustendorf.
Auf zur Gegenwart
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Auf zur Gegenwart von Rainer Brandt
Lange Zeit vor dem entscheidenden Jahr 1978 begann man sich in Augustendorf um die Feier des 150-jährigen Dorfjubiläums Gedanken zu machen. Es wurde ein hochmotivierter Festausschuß gebildet, der ein Festprogramm plante und zusammenstellte, welches die gesamte Dorfgemeinschaft in das Geschehen einband. Als eigentliches Jubiläumswochenende wurde
23. – 25. Juni 1978
festgelegt und alle Kräfte in Augustendorf hierauf gebündelt.
Neben dem Festprogramm wurde eine Festschrift erstellt und so kam der Verfasser dieses Buches erstmals in die Clubstube von Franz Stumpenhorst und zu Augustendorfer Weihen.
Die eigentlichen Jubiläumsfeierlichkeiten begannen am 18.6.1978 in Bremervörde auf dem Friedhof „Auf der Hohen Worth“, als der Augustendorfer Festausschuß am Grabe des Dorfgründers Christian Johann Nicolaus Witte einen würdigen Kranz niederlegte und Ortvorsteher Schröder eine Laudatio auf diesen verdienten Mann hielt. Anschließend wurde die Delegation seitens der Stadt Bremervörde zu einem kleinen Empfang in das Bremervörder Rathaus gebeten.
Im Dorf auf Grotheers Saal begann das Programm am Freitag, dem 23.6.78 mit einem eindrucksvollen Heimatabend. „Augustendorf soll leben“, dieses Gelöbnis der ersten Siedler, stand förmlich über diesem gelungenen Festabend. Fast 500 Besucher, 69 Augustendorfer Mitwirkende, viel Beifall für alle Darbietungen. Nach einer kurzen Begrüßungsrede durch Ortvorsteher Hermann Schröder übernahm Hinrich Dammann die Regie des Abends und damit des abwechslungsreichen Dreistundenprogramms. Heimatlieder wurden vom Posaunenchor und dem Chor „Eleonore“, beide aus Gnarrenburg unter der Leitung von Werner Quell, begannen das Programm. „In Gedanken an die Väter“ hieß das Gedicht, daß der verehrte Lehrer Bastein vor 50 Jahren geschrieben hatte und das Joachim Schlüter vortrug. „Ut olen Tieden“ lautet der Titel des plattdeutschen Theaterstückes – ebenfalls aus der Feder von Peter Bastein – über die schwere Gründungszeit im Dorf. In eindrucksvoller Kulisse erinnerte diese Aufführung an die vielen menschlich anrührenden Seiten der Gründungsphase mit den ersten sieben Siedlerfamilien.
Werner Quell, Karin Burfeindt aus Byhusen und Ulrike Trede aus Bremervörde spielten plattdeutsche Lieder auf der Gitarre und Friedrich Metscher sagte den überlieferten Dorfspruch „De Riemels“ auf, in dem die Bewohner des Dorfes namentlich erwähnt wurden. „Guten Abend, gute Nacht“, spielte der Posaunenchor zum Abschluß dieses bemerkenswerten Abends, der noch lange in Erinnerung blieb.
Am nächsten Tag standen die jüngeren Mitbürger im Mittelpunkt des Geschehens, denn das Jubiläumsprogramm wurde mit einem bunten Kinderprogramm fortgesetzt.
Als dann morgens um 10 Uhr Radio Bremen auf das Jubiläum in Augustendorf hinwies, war der eigentliche Höhepunkt mit dem großen Festumzug am Sonntag eingeläutet. 3000 Gäste bewunderten den langen Festzug mit 14 Festwagen, 2 Spielmannszügen und einem Musikkorps, Torfgräber, Schäfer, Holzschuhmacher, Imker, Webstuhl, Dachschütter, Korbmacher, Feuerwehr und, und, und .....
Am Ehrenmal verhielt der Zug und Ortvorsteher Schröder legte zum Gedenken für das Dorf einen Kranz nieder, ehe es weiter ging zum Festplatz am Gasthaus „Zum Huvenhoop“. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht“ rief Pastor Paul Weier den Gästen zu. Dann erinnerte Ortvorsteher Schröder an die wechselvolle Augustendorfer Dorfgeschichte und der stellvertretende Landrat Wilhelm Brunkhorst sowie Bürgermeister Adolf Otte sprachen Grußworte. Dann folgte ein Unterhaltungsprogramm mit Musik, Tanz, Gedichten und Gesang und bildete den Abschluß der bislang größten Feier in der Geschichte des Dorfes.
Bis zur Eingemeindung
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Bis zur Eingemeindung von Rainer Brandt
a) Gefallene, Heimkehrer, Flüchtlinge und Vertriebene
Manche traurige Gewißheit stellte sich erst in den Nachkriegsjahren ein, wenn die Bemühungen des Suchdienstes erfolgreich waren und das Schicksal derer aufgeklärt wurde die im Krieg oder in Gefangenschaft verstorben waren. Andererseits kehrten auch nach Jahren immer wieder sogenannte Spätheimkehrer in Familie und Gemeinschaft zurück. Durch die Auswirkungen des Weltkrieges kamen fast Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach Augustendorf und wurden hier vorübergehend oder dauerhaft in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Die Einwohnerzahl stieg dadurch vorübergehend sehr stark an und betrug nach dem „Adressbuch für den Kreis Bremervörde 1950/51“
489 Einwohner
112 Haushaltungen und
60 Häuser
in Augustendorf. „60 Häuser mit 112 Haushaltungen“ besagt schon etwas über eine merkliche Enge im Dorf und den damit verbundenen Problemen, das Miteinander unter einem Dach. Nicht immer ging alles reibungslos vonstatten und so manche Schlichtung durch den Gemeinderat war erforderlich. Dieser besteht in den Jahren aus
Hinrich Metscher (Bürgermeister)
Johann Schütt (1. Beigeordneter)
Otto Fricke (2. Beigeordneter)
Johann Janning
Hermann Schröder
Johann Bunger und
Diedrich Thobaben
die sämtlich für die „Deutsche Partei“ kandidiert hatten. Das Adressbuch 1950/51 (abgedruckt in Chronik 150 Jahre Augustendorf S. 70 ff.) ist in vieler Hinsicht eine interessante Quelle, denn einzig hier sind die Flüchtlinge mit ihren Heimatorten aufgeführt und für die Nachwelt festgehalten worden. Ihre Zahl verringerte sich in den Folgejahren dieses Jahrzehnts, denn viele Flüchtlinge zogen nach Nordrhein-Westfalen oder Süddeutschland, wo es Arbeit und Broterwerb für sie gab. So hatte sich 1958 (Adressbuch für den Kreis BRV 1958/59) die Einwohnerzahl bereits auf
406 Einwohner in
110 Haushalten und
66 Häusern
relativiert. Dieses zweite Adressbuch nach dem 2. Weltkrieg ist sicherlich ebenfalls eine interessante Lektüre und soll hier mit dem Augustendorfer Eintrag abgedruckt werden.
b) Ein Dorf wandelt sich
Im Jahr 1965 verzeichnete Augustendorf
340 Einwohner den
110 Haushalten und
67 Häusern
und das Dorf begann mit einem gewissen Strukturwandel. Es war nicht mehr das klassische Bauerndorf, in dem einmal fast alle Einwohner von der Landwirtschaft lebten und selbst die wenigen Handwerker Nebenerwerbslandwirte waren. Die ursprüngliche Struktur hatte von der Gründung bis zum Weltkrieg gehalten, aber in diesen Nachkriegsjahrzehnten war ein langsamer Wandel erkennbar. Wie schrieb noch der schon legendäre Redakteur Rudolf von Tils am 23. Oktober 1978 im Osterholzer Kreisblatt: „Wenn auch in dem rund 350 Einwohner zählenden Ort die Zeit nicht stehengeblieben ist, so ging man doch behutsam zu Werke. Natürlich wurde die Landwirtschaft modernisiert, denn sie ernährt immer noch einen großen Teil der Dorfbevölkerung. Auch die Motorisierung hat ihren vollen Einzug gehalten. Aber der Wahlspruch: „Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ hat in Augustendorf noch seinen Stellenwert. In der Landwirtschaft beiderseits des vier Kilometer langen Torfkanals darf vieles noch so sein wie früher und gar manches noch so wachsen, wie es will.“
Es entstanden im Dorf zunehmend reine Wohnhäuser auf und zwischen den Höfen und außerdem neuerdings auch einzelne Altenteilerhäuser, nachdem bislang meistens drei Generationen wortwörtlich unter einem Dach gelebt hatten. Vermehrt tauchten Berufsbezeichnung auf, die nicht mehr direkt mit der Landwirtschaft zu tun hatten. Arbeiter, Straßenwärter, technischer Angestellter, Schlachter, Schuster, Schneiderin, Zimmermeister, Kaufmann, Tischler, Dreher, Maurer und Bauunternehmer waren in der Mitte der 60er Jahre die Berufe außer dem angestammten Landwirt. Und Lehrer natürlich; es war dieses Herbert Rohde und Lehrerin Fräulein Hensel.
Die Probleme des siebenköpfigen Gemeinderates (sämtlich DP) waren in erste Linie die Sorgen um die Oberflächenentwässerung, die zentrale Wasserversorgung, den Straßen- und Wegebau sowie das Schulwesen. Oftmals waren die Probleme nur durch die sogenannten Hand- und Spanndienste zu bewältigen, indem die Augustendorfer nämlich eigenhändig Gemeinschaftsaufgaben erledigten. Diese Art der Pflichterfüllung basiert auf den Traditionen, in denen nur die Zusammengehörigkeit die Notsituationen zu überstehen half.
Aber bald zeigten sich wieder Risse in der relativ heilen politischen Welt Augustendorfs.
c) Eine sogenannte Gebietsreform
Seit Anfang der siebziger Jahre spuckte in den Köpfen verschiedener Landespolitiker – vor allen Dingen des damaligen Innenministers Groß – die Idee einer sogenannten Gebietsreform. Die kleinen, alten, bewährten Gemeinden sollten ihrer Existenz oder wahlweise Teil ihrer Souverinität zugunsten größerer Einheiten verlieren und dabei sollten dann Finanzmittel eingespart werden. Alles Schwachsinn, denn kostenloses Engagement (z.B. Hand- und Spanndienste) und ehrenamtliche Positionen wurden aufgegeben oder reduziert. Alternativ konnte zwischen den Dörfern in der Region Gnarrenburg vertraglich zum 1. März 1974 eine Samtgemeinde Gnarrenburg vereinbart werden oder der Gesetzgeber drohte mit der Einheitsgemeinde. Es kam zu keiner einvernehmliche Lösung und damit nach langwierigen Diskussionen und Beratungen zum Gesetz zur Neuordnung der Gemeinden in der Region Gnarrenburg. Nach langen Jahrzehnten der gemeindlichen Selbständigkeit wurde die Gemeinde aufgelöst und als Ortschaft in die Gemeinde Gnarrenburg eingegliedert. Dem letzten Gemeinderat in der Dorfgeschichte gehörten als Ergebnis der Gemeindewahl am 22. Oktober 1972 an:
Hermann Schröder, Bürgermeister
Johann Schröder, 1. Beigeordneter
Hinrich Dammann
Hermann Schlüter
Hinrich Meyer
Johann Metscher und
Rosemarie Caillé
Nach der Eingemeindung wurde Hermann Schröder zum Augustendorfer Ortvorsteher und vertrat darüberhinaus die Augustendorfer Interessen im Gnarrenburger Gemeinderat. Es konstituierte sich der Kultur- und Heimatverein Augustendorf e. V. und garantierte bis heute die Bewahrung des dorflichen Eigenlebens und des Zusammenhalts. So haben sich die negativen Auswirkungen der Gemeindereform hier erfreulicherweise in Grenzen gehalten, aber dieser Umstand ist nicht dem Landesgesetzgeber, sondern dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Augustendorfer Bevölkerung zu verdanken.
Die Ehrentafel
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1. Gefallene des ersten Weltkriegs 1914 - 1918
2. Gefallene des zweiten Weltkriegs 1939 - 1945
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Die Weltkriege
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Die Weltkriege von Rainer Brandt
a) Der erste Weltkrieg
Die Kriegserklärung erfolgte bekanntlich am 31. Juli 1914 im Deutschen Reich. Selbstverständlich waren die Wege der Kommunikation dieser Zeit andere und so wurde die Nachricht am späten Abend des Tages durch einen radfahrenden Boten aus Bremervörde dem Gemeindevorsteher Metscher überbracht. Die Augustendorfer Bürger erfuhren dann am nächsten Morgen durch Laufzettel von dieser beunruhigenden Nachricht und am gleichen Tage um 19.00 Uhr von der allgemeinen Mobilmachung. Selbst wenn diese Entwicklung nicht unerwartet kam, so wirkte sie doch geradezu lähmend und alle Arbeit im Dorf ruhte sofort. Die Augustendorfer sammelten sich in kleineren und größeren Gruppen auf dem Dorfwege am Kanal. Überall ernste Mienen, kein Jubel; die bange Frage von Frauen und Müttern: „Wer muß fort? Wann muß der und der in den Krieg?“ Der Sonnabendabend - Treffpunkt der jungen Leute an der Schulbrücke, der sogenannte „Klütenmarkt“ war an diesem 1. August sehr zahlreich besucht und dort war als Privileg der Jugend die Stimmung eher sorglos; gelegentlich sogar begeistert. Es war Mitternacht im Dorf geworden, als plötzlich von Gnarrenburg herüber Glockengeläut und Trompetensignale zu hören waren. Ein Feuer fiel als Ursache aus und so fragte man auf dem Gnarrenburger Telegraphenamt. „Es ist das Sturmgeläut des Krieges und die Trompeten blasen zum Sammeln!“, lautete die Antwort.
Am kommenden Morgen (Sonntag, 2. August) vermochte die Gnarrenburger Kirche die Menschenmenge kaum aufzunehmen und die Gemeinde sang: „Ein feste Burg ist unser Gott!“.
In den nächsten Tagen wurden die jungen Männer aus vielen Augustendorfer Familien zum Kriegsdienst einberufen; wenig später folgten dann die älteren Familienväter und die Frauen auf den Höfen mußten deren Stelle mit einnehmen. Viel Arbeit, viel Sorge. Aber auch die älteren Schulkinder mußten mehr Arbeit bei dem Ernteinsatz leisten, da die Mobilmachung mitten in die Erntezeit fiel und in den ersten Tagen bereits ca. 30 Männer aus dem Dorf einberufen wurden.
Seitenweise ist die Augustendorfer Schulchronik von „Eiertagen“, „Reichwollwoche“ und „Kriegsanleihen“ gefüllt. Dabei nimmt der sogenannte „Eiserne Krieger“ einen besonderen Stellenwert ein. Der „Eiserne Krieger“ war aus Holz und stellte den Ritter Hinrich von Borch, „de Isern Hinnerk“, dar. Um auch der Bevölkerung Gelegenheit zur sogenannten „Nagelung“ zu geben, wurde die Figur am Erntedankfest 1916 in Gnarrenburg bei der Kirche aufgestellt. Für Augustendorf war ein Betrag von 17,- Mark zusammengekommen und dafür durfte der Klassenerste Albert Schröder 3 „goldene“ und 2 „silberne“ Nägel vernageln.
Während dieser zweiten Phase des Weltkrieges kamen mehrfach Stadtkinder in ländlichen Familien, in Augustendorf erklärten sich dazu (1916) 19 Familien zur Aufnahme bereit. Die Kinder kamen aus Hannover’s Stadtteil Lindau und es entstanden etliche Freundschaften, die sich durch die zweite Aktion 1918 noch vertiefte!
Immer wieder kamen während dieser Kriegsjahre von fernen Fronten schlimme Nachrichten in die Familien. Verletzt, vermißt, gefallen hieß es lakonisch, wenn Männer und Familienväter von den Kriegsauswirkungen betroffen wurden und mit denen natürlich die Daheimgebliebenen. Die Liste der betroffenen Soldaten wurde mit jeder Woche länger und länger. Dann nahte das Kriegsende und die Schulchronik lautet:
„Unser Krieger kehrten nach und nach, einzeln, manchmal bei Nacht und Nebel, ohne Sang und Klang, in die Heimat zurück. Hier und da, meist an den Bahnhöfen und am Eingang der Dörfer, hatte man ihnen Ehrenpforten errichtet – Die Gefangenen kamen erst viel später.“ Und etliche eben leider garnicht!
b) Turbulente Jahrzehnte
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges folgten welt- und nationalgeschichtlich turbulente Jahrzehnte, die sich natürlich auch im ansonsten beschaulichen Augustendorf auswirkten.
Diese Aera begann jedoch mit einer positiven Entwicklung, denn im Frühjahr 1919 beschloß die Gemeindeversammlung den Bau der Straße von Langenhausen bis zum östlichen Dorfende auf einer Länge von 5 km. Mit den Vorarbeiten wurde umgehend begonnen und dann mit den Ausschachtungsarbeiten und der Sandabfuhr zum „Koffern“ fortgesetzt. Der Sand wurde vom Huvenhoopsberg und aus Langenhausen geholt und mit Loren auf einer Feldbahn zur Wanderbaustelle befördert. Mit Jahresende 1919 waren die Ausschachtungsarbeiten nahezu beendet und die Klinker wurden aus Oldenburg bis Gnarrenburg per Eisenbahn und die Reststrecke mit Schiffen bis Augustendorf befördert. Der Straßenbau wurde im September 1921 beendet und von den Gesamtkosten (1 Million Mark) mußte die Hälfte von der Gemeinde aufgebracht werden. Eine gewaltige Summe, die jedoch durch die fortschreitende Geldentwertung bald relativiert wurde.
Mit der Fertigstellung der Straße ging auch ein besonderer Abschnitt zu Ende, denn die Torfschiffe wurden – bis auf zwei – abgeschafft und der Torftransport nach Bremervörde zu den Torfewern hörte ganz auf. Torf wurde ausschließlich noch per Fuhrwerk zum Gnarrenburger Bahnhof transportiert. So endete auch die Bedeutung des Augustendorfer Kanals als Transportweg.
Am 27. März 1923 teilte der Kanalvogt Schlüter mit: „Für den Augustendorfer Kanal sind 1922 keine Einnahmen und keine Ausgaben gewesen; die Kanalgelderhebung ist eingestellt worden.“ Und am 23. April 1926 stellte Landrat Grubitz in Bremervörde fest: „Die Schiffahrt auf dem Augustendorfer Kanal ist, weil die Unterhaltungskosten zu hoch waren und außerdem jetzt neben dem Kanal eine gepflasterte Straße vorhanden ist, eingestellt worden. Der Kanal wird nur noch als Entwässerungsgraben genutzt.“
Während der Inflationszeit ging es nach der Schilderung in der Augustendorfer Schulchronik (Abschr. S. 69 ff) den Augustendorfer Landwirten verhältnismäßig gut, da in den umliegenden Städten wieder verstärkt mit Torf geheizt wurde und sich so wiederum eine Absatzmöglichkeiten eröffnete. Auch für ihr Vieh erhielten die Landwirte einen relativ hohen Preis im Verkaufsfalle. Das änderte sich durch die Währungsreform in Deutschland mit einem Schlage. Die feste Währung zog einen allgemeinen Geldmangel nach sich, der die Viehpreise dramatisch sinken ließ und aus dem Kohlemangel wurde ein Überfluß mit einer spürbaren Verbesserung der Versorgung. Der Torf wurde billig und das Torfgraben lohnte kaum die Arbeit. Dennoch wurde im Dorf viel Torf gegraben, da wegen der hohen Abgaben und der hohen Verbrauchsartikelpreise die kleinste Chance zum Gelderwerb genutzt wurde. In den Jahren 1927/28 spricht alles von einer allgemeinen wirtschaftlichen Notlage „auch in der vor dem Kriege schon gutsituierten Gemeinde Augustendorf. Der Gemeindesäckel zeigt immer Ebbe an!“
Aber die privaten Geldbörsen und so las man fast täglich in der Bremervörder Zeitung Anzeigen über Moorstellenverkäufe. Auch in Augustendorfer sind in diesen Jahren einige Besitzänderungen von Höfen und Gebäuden zu verzeichnen.
Bei den wirtschaftlichen Problemen kamen dann noch verstärkt Diebstähle durch auswärtige „Besucher“ hinzu „deren Spezialität Hühner und Enten“ waren. Herbst und Winter 1931 war es wohl besonders schlimm im Dorf und als eine Woche vor Weihnachten Hinrich Schröder drei Diebe auf seinem Hof überraschte, griffen die Augustendorfer Jäger zu ihren Schrotflinten. Es muß wohl ein ziemliches Geballer im Dunkel der Nacht gewesen sein, bei dem die Diebe aber unerkannt entkamen.
Neben diesen „menschlichen“ Vorfällen gab es immer wieder natürliche Katastrophen, die Zeitung und Schulchronik füllten. So brannten am 21. März 1928 große Heide-und Waldflächen im Bereich des Huvenhoopsees in der Augustendorfer Gemarkung nieder. Mehrere Anwesen wurden durch diese Feuerstürme gefährdet und erst massiver Feuerwehreinsatz – sogar die Motorspritze aus Bremervörde – konnte Schlimmeres verhindert werden.
Ähnliches wiederholte sich zehn Jahre später am 12. Mai 1938, als es wiederum im Dorf hieß: „Der Huvenhoop brennt!“ Es sollte 2 Tage dauern, bis mit vereinten Kräften das mächtige Feuer eingedämmt und schließlich gelöscht werden konnte. Lange wurde im Dorf von diesem Brand erzählt.
Feuer und Wasser vertragen sich bekanntlich nur gegensätzlich und doch gehören beide zum dorfgeschichtlichen Kapitel der Naturkatastrophen. So berichtet die Schulchronik (Abschr. Seite 101) von dem Hochwasser im Jahre 1935:
„ In der Nacht vom 26. zum 27. Juni 1935 zogen schwere Gewitter herauf. Vorangegangen waren heiße Tage bis zu 31 Grad im Schatten. Das drängt nach Entspannung. Die Nacht vom 26. zum 27. Juni sollte sie bringen. ½ 2 Uhr steht der Himmel in Flammen. In den Häusern flammen die alten Petroleumlampen auf. Schlag folgt auf Schlag. Ja, durch die Luft geht nur noch ein einziges Rollen und Grollen. Klein fühlt sich der Mensch zwischen diesen Naturgewalten. Zwei Stunden halten die Gewitter an. Jede Wolke leuchtet.100 mm Regen gehen in 2 Stunden nieder. Vom Klenkenholz strömt durch die vom Arbeitsdienst angelegten Gräben viel, viel Wasser in den Augustendorfer Kanal, der die Wassermassen nicht fassen kann. Gegen 3 Uhr nachts tritt im unteren Ortsteil der Kanal bereits über die Ufer.
Die Bewohner der niedrig gelegenen Häuser: Geestmann, Tischler; Geestmann, Schumacher; Schumacher, Gastwirt; Janning, Chausseewärter; haben das Wasser im Hause und müssen nachts noch Möbel aufbocken und Vieh retten. Auf den abgetorften Weiden links und rechts der Straße steht das Jungvieh tief im Wasser. Es muß von beherzten Leuten gerettet werden.
Morgens! Ein ungewohntes Bild! Aus den Grenzgräben brüllt das Wasser zum Kanal, der eine beängstigende Höhe erreicht hat. Die Brücken im unteren Ortsteil sind vom Wasser überflutet, ebenfalls die Straße gegenüber der Gastwirtschaft. – Am schlimmsten sieht es bei Tischler Geestmann aus. Wasser im ganzen Haus, das bis gegen Mittag unaufhaltsam steigt! – Nachmittags erscheint der stellv. Landrat, um sich von dem angerichteten Schaden zu überzeugen. Er stellt Hilfe in Aussicht.
Der Regen hält an. Hoffentlich richtet er auf dem Felde keinen Schaden an. Auf dem Felde hatte sich alles unter der großen Hitze und genügender Feuchtigkeit erholt, so daß von den anfangs großen Nachtfrostschäden weniger mehr zu spüren war, außer auf den Feldern, die der Frost gänzlich zerstört hatte. Wir hoffen auf gute Ernten. Möge der Himmel uns seinen Segen geben!
Wasserflut in Augustendorf
Augustendorf. Über Augustendorf ging ein schweres Gewitter nieder, das von wolkenbruchartigen Regen begleitet war. Der Kanal konnte die Wassermassen nicht fassen, zumal ihm aus den durch den Arbeitsdienst entwässerten Mooren gewaltige Wassermengen zugeführt wurden. Noch in der Nacht mußten einige niedrig gelegene Häuser geräumt, bzw. Möbel und Vieh in Sicherheit gebracht werden. Der Kanal glichen einem wilden Strom. Die Straße im unteren Ortsteil war teilweise überflutet. Wiesen und Weiden rechts und links der Straße glichen einem See. Ältere Einwohner können sich nicht mehr entsinnen solche Wasserflut mitgemacht zu haben.
(Ausschnitt aus der Bremervörder Zeitung vom 28.6.1935)
c) Die Jahrhundertfeier
Das Jahr 1928 war ein Besonderes in der Dorfgeschichte, denn es beinhaltete das 100-jährige Jubiläum und die Einweihung des Ehrenmales.
Augustendorf hatte 364 Einwohner in 54 Wohnhäusern mit zwei Telefonen (Johann Ehlers, Gemeindevorsteher, Tel. Gnarrenburg 58; Johann Geffken, Landwirte und Viehagent, Tel. Gnarrenburg 53). Es gab einen landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein, eine Stierhaltungsgenossenschaft, die „berühmte“ Entwässerungs-genossenschaft, einen Kriegerverein, Männergesangverein, Turnverein, Niedersachsenverein und den Schützenverein Augustendorf. Und es gab ein großes Interesse an der Erstellung eines Ehrenmales zum Gedenken an die Gefallenen des Weltkrieges und so tauchte Ende Januar 1928 der erste Gedanke an eine Realisierung auf. Ein Ausschuß wurde gewählt, der sich mit dem Bildhauer und Steinmetz Adolf Krützfeld in Bremervörde in Verbindung setzte. Dieser präsentierte im Februar auf einer Gemeindeversammlung die ersten Entwürfe und kalkulierte auch die beachtlichen Kosten von 1000 – 1200 RM. Aber man wagte sich an dieses Projekt auf dem Schulgrundstück heran und am 10. Juni 1928 wurde das Denkmal unter großer Anteilnahme der Bevölkerung sowie vieler auswärtiger Gäste eingeweiht.
Um 16.00 Uhr begann die Feierstunde mit einem Prolog von Fräulein Tine Katt und einem Lied des Augustendorfer Gesangvereins. Lehrer Bastein hielt die Festrede mit markigen Worten, ehe dann das Ehrenmal enthüllt wurde und Pastor Himstedt aus Gnarrenburg die Weihrede auf das Ehrenmal hielt. Gemeindevorsteher Ehlers übernahm das Ehrenmal mit einem Dank an alle Beteiligten für die Gemeinde Augustendorf. Nachdem eine Urkunde in den Bau eingefügt worden war, beendete die Kranzniederlegung diese würdige Einweihungsfeier.
Im gleichen Jahre (1928) jährte sich die Gründung Augustendorf zum hundertsten Male und ab Januar des Jahres wurden die ersten Besprechungen über die Jahrhundertfeier durchgeführt. Einigkeit herrscht im Dorf darüber, daß die Feier am 17. Juni und in einem würdigen Rahmen stattfinden soll. Wochenlang wird Theater und Gesang geübt, sowie an den Festwagen für den großen Festumzug gearbeitet. Der Festausschuß (Gemeindevorsteher Johann Ehlers, Hinrich Metscher, Hinrich Schröder, Hinrich Meyer und Lehrer Bastein) hatten folgendes Programm zur Feier zusammengestellt.
(Fotos / Zeitungsausschnitt)
Und am 11. Juni 1928 trug Landrat Grubitz seinen Teil durch folgende Anzeige in der Bremervörder Zeitung zum Dorfjubiläum bei:
„Aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Gemeinde Augustendorf wird die für den Kraftwagenverkehr gesperrte Moorlandstraße von Bremervörde nach Gnarrenburg nach Augustendorf am 17. und 18. Juni 1928 für Personenkraftwagen im Höchstgewicht von 2000 Kilo unter der Bedingung freigegeben, daß die Höchstgeschwindigkeit 30 Kilometer nicht übersteigt“
Am 16. Juni wurde überall im Dorf mühsam erstellte Ehrenpforten über die Dorfstraße errichtet und boten auf 3 km ein herrliches Bild. Dann kam endlich der große Tag. Obwohl es Bindfäden regnete strömten ungeahnte Menschenmassen ins hundertjährige Augustendorf. Und um 14 Uhr begann die Feier mit zwei Liedern des Gesangvereins und einem Gedicht, das Lehrer Bastein geschrieben hatte und die Schülerin Tine Schröder vortrug. Landrat Grubitz sprach für den Landkreis Bremervörde, Pastor Himstedt hielt die Gedenkrede und Gemeindevorsteher Ehlers dankte allen Mitwirkenden. Dann setzt sich der lange, kunterbunte Festumzug in Bewegung um erstmals am Ehrenmal zu halten (Hermann Schröder sprach einen Weihespruch; Johann Dammann pflanzte eine Eiche) und dann wieder am Huvenhoopsee (der Gesangverein sang: „Alle Birken grünen in Moor und Heid!“) um dann zum Lokal von Jannings zurückzukehren. Das Tanzbein wurde geschwungen und um 19 Uhr wurde das Stücken „Ut ole Tiden“ aufgeführt, das Lehrer Peter Bastein verfaßt hatte. Lehrer Hoops hielt noch einen kurzen Vortrag über Augustendorfs Gründerzeit und die Theatergruppe spielte zum Schluß „Lütt Olleid“. Danach ging es dann zum gemütlichen Teil bei Tanz und Unterhaltung über.
„Jedenfalls war alles schön verlaufen“, hörte man noch lange im Dorf über die Hundertjahrfeier erzählen. Sicherlich zu Recht!
d) Besuch aus der Heimat
In den Jahrzehnten von 1840 bis 1880 sind nach entsprechenden Hochrechnungen 7 - 8 Millionen Deutsche nach Übersee ausgewandert um dort ihr Glück in einer besseren Zukunft zu suchen. Von Bremerhaven nach New York oder New Orleans war in der Regel der Weg für die Auswanderer aus unserer Region. So sind sicherlich auch etliche Augustendorfer mit dem Segelschiff in eine ungewisse Zukunft gesegelt. Der erste Auswanderer dürfte der erste Augustendorfer Lehrer namens Ehlers gewesen sein, der diesen Schritt um 1830 wagte. Leider ist im Kirchspiel Gnarrenburg keine Auswanderungsliste mehr vorhanden, sodaß die Namen nicht überliefert sind.
Auch später sind noch Einzelpersonen oder Familien ausgewandert und einige, wenige sind wieder in die alte Heimat zurückgekehrt.
So treffen 1936 Anna Metscher mit Tochter Meta und Sohn Friedrich ein um die Familie zu besuchen. Sie war im Jahre 1925 in der Absicht, nach Amerika gefahren, ihre dort lebenden fünf (!) Kinder zu besuchen. Dort muß ihr Aufenthalt und Nähe der Kinder derart gefallen haben, daß sie sich zum Verbleib in den USA entschloß. Ein halbes Jahr blieben sie in der alten Heimat zu Besuch und im September ging es wieder hinüber in die „Neue Welt".
e) Der zweite Weltkrieg
Das Kapitel in der Schulchronik beginnt zu Recht mit der schlimmen Prognose: „Gewitterwolken türmen sich am politischen Horizont.“ Die Rede ist vom Spätsommer 1939 und dem sich abzeichnenden zweiten Weltkrieg. Am 26. August 1939 erfolgte die Mobilmachung und in Augustendorf fuhr morgens um 2 Uhr ein Postauto mit Gehupe ins Dorf um in der Poststelle die ersten Gestellungsbefehle zuzustellen. Stolz schrieb der Lehrer Peter Bastein: „Ich erhalte als Erster meine Mobilmachungsorder“. Viele Stellungsbefehle werden folgen in den folgenden Tagen, Wochen, Monaten und Jahren. Nahezu Haus bei Haus, Familie bei Familie bangt bald mit den Augustendorfer Soldaten an den Fronten und nach Beginn des Krieges mit Rußland sind bald die ersten Gefallenen im Dorf zu beklagen. Leider waren es nicht die letzten und als der Krieg 1945 vorüber war, hatten die Familien 32 Gefallene zu beklagen. Und es sollte noch lange Zeit dauern, bis der letzte Kriegsgefangene aus Augustendorf wieder zurückkehren durfte.